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23.05.2014 – Neues von der AAN 2014: MS aufhalten – neue Therapien

http://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/index.php?w3pid=news&kategorie=forschung&anr=5045

stop_MSVon Peginterferon, Ofatumumab bis zu Wurmeiern: Neue Multiple Sklerose-Therapien in der Pipeline gehörten zu den Höhepunkten der mehr als 600 MS-Präsentationen, die bei der Jahrestagung der Amerikanischen Akademie für Neurologie (AAN) in Philadelphia präsentiert worden sind: Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.wird einige der wichtigsten Studien in einer Serie vorstellen- Teil 1: MS stoppen.

Mehr als 12.000 Teilnehmer diskutierten neue Aspekte neurologischer Erkrankungen. In vielen Fällen stellen die präsentierten Studien erste vorläufige Ergebnisse dar, die weiter zu analysieren sind, bevor sie in Fachpublikationen veröffentlicht werden.Die Zuverlässigkeit von Ergebnissen wächst auch, wenn sie in ähnlichen Studien anderer Forscher wiederholt werden können.

MS aufhalten – neue Therapien

Zahlreiche Studien bestätigten den kontinuierlichen Nutzen und die Sicherheit der etablierten Therapien. Darüber hinaus gab es interessante Einblicke in neue Therapien, die sich zurzeit in der Pipeline befinden.

Eine neue Form von Interferon-beta-1a für die schubförmige MS

Es wurden Ergebnisse aus dem zweiten Jahr einer internationalen Phase III -Studie mit Peginterferon-beta-1a präsentiert. Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um eine neue Form des bisher etablierten Interferon-beta-1a (Avonex®), das so abgewandelt worden ist, dass es länger im Körper verbleibt als die bisherige Form. Der Wirkstoff wird in der Studie nur alle zwei bzw. alle vier Wochen unter die Haut injiziert. Ergebnisse aus der placebokontrollierten Gruppe nach dem ersten Jahr hatten bereits zeigen können, dass Peginterferon sowohl in der Schubreduktion als auch bei der Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung wirksam war. Im zweiten Jahr erhielten alle Studienteilnehmer Peginterferon, einschließlich denen, die vorher auf Placebo waren. Die Ergebnisse zeigten, dass Wirksamkeit und Sicherheit auch weiterhin vorhanden waren.

Wurmeier

Die so genannte „Hygiene-Hypothese” besagt, dass die größere Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel der MS, in industrialisierten Ländern darauf zurückzuführen ist, dass es dort weniger Kontakt zu infektiösen Bakterien, Viren und Parasiten gibt. Diese Vorstellung gab den Ausschlag für eine kleine klinische Studie, über die Dr. John Fleming (Universität Wisconsin) und seine Kollegen berichteten. Die Studienteilnehmer nahmen über 10 Monate jeweils alle zwei Wochen ein Sportgetränk zu sich, das die Eier eines Parasiten, des Schweinepeitschenwurmes, enthielt. Das Ergebnis: Mittels MRT wurde zum Ende der Studie eine moderat reduzierte Anzahl aktiver Hirnläsionen festgestellt im Vergleich zum Studienbeginn. Zusätzlich dokumentierten die Wissenschaftler, dass die Behandlung auch die Aktivität von krankheitsunterdrückenden weißen Blutkörperchen positiv beeinflussen konnte. Die Studie war allerdings sehr klein. Bevor sichere Schlussfolgerungen formuliert werden können, müsste sie mit einer viel größeren Zahl von Studienteilnehmern bestätigt werden.

Ofatumumab bei schubförmiger MS

Dr. Amit Bar-Or (Montreal Neurological Institute) präsentierte Ergebnisse einer Phase II -Studie, in der unterschiedliche Dosierungen von Ofatumumab bei MS getestet wurden. Dieser Wirkstoff richtet sich gegen B-Zellen und wird derzeit bereits bei entsprechenden Krebsformen eingesetzt. Die Wissenschaftler berichteten über eine bis zu 65%ige Abnahme der im MRT festgestellten aktiven Läsionen in den Behandlungsgruppen gegenüber der Placebo-Gruppe. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Infusionsreaktionen. Die Ergebnisse stimmen insgesamt gut mit vorhergehenden Daten und ähnlichen Wirkstoffen überein. Insgesamt wird angenommen, dass eine Beeinflussung der B-Zellen ein vielversprechender Ansatz ist.

IRX4204 -ein neuer Ansatz

Zahlreiche Präsentationen beschäftigten sich mit Wirkstoffen, die das Potential haben, MS behandeln zu können, deren Erforschung sich aber noch in einem frühen Stadium befindet. Einer davon ist IRX4204. Dabei handelt es sich um ein kleines Molekül, das die Aktivität eines Rezeptors für ein Vitamin-A-ähnliches Molekül, die Retinolsäure, selektiv hemmt. Zwei Studien weisen darauf hin, dass IRX4204 die Immunantwort hemmen und die Myelinreparatur fördern kann. Die Ergebnisse dieser frühen Laborstudien müssen durch weitere Untersuchungen untermauert werden. ..

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09.05.2014: Hygiene-Hypothese: Wurmeier gegen MS

Hygiene-Hypothese: Wurmeier gegen Multiple Sklerose.

PHILADELPHIA. Die Hygiene-Hypothese postuliert, dass das sehr hohe Maß an Hygiene in der entwickelten Welt zu einer gestörten Immunregulation und damit zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) beitragen kann.

 

In der Vergangenheit ist bereits gezeigt worden, dass unterschiedliche Würmer (Helminthes) die Immunregulation bessern können.

 

Doch lässt sich noch etwas ausrichten, wenn eine MS schon ausgebrochen ist, kann man mangelnde Kontakte mit Mikroben im bisherigen Leben durch die Verabreichung bestimmter Organismen quasi im Nachhinein ausgleichen?

 

US-amerikanische Forscher um John Fleming haben in einer kleinen Pilotstudie die Sicherheit und die mögliche Wirksamkeit von Eiern des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis) geprüft.

 

Nach einer Eingangsuntersuchung und einer fünfmonatigen Beobachtungszeit verabreichten sie 15 Patienten mit kürzlich diagnostizierter, bisher unbehandelter schubförmiger MS über zehn Monate alle zwei Wochen 2.500 lebende Eier des Schweinepeitschenwurms.

 

Pelli 1-Gen: Expression vermindert

 

In monatlichen MRTs wurde die Veränderung der Zahl der Gadolinium-aufnehmenden Läsionen (Gd+-Läsionen) erfasst. In der fünfmonatigen Beobachtungszeit wurden im Mittel 3,2 und in den letzten fünf Monaten der Behandlungszeit im Schnitt 2,1 Gd+-Läsionen gezählt, was einer relativen Reduktion um 34 Prozent entspricht.

 

Dieser Trend war statistisch jedoch nicht signifikant. Weitere Studien müssen folgen, um die Wirksamkeit in der Behandlung der MS zu zeigen.

 

Die Wurmeier wurden insgesamt gut vertragen, bei der Hälfte der Patienten traten allerdings 30 Tage nach der ersten Gabe leichte gastrointestinale Symptome wie Krämpfe und Durchfälle auf, die nach ein bis drei Tagen wieder abklangen. Bei zwei Patienten waren diese Symptome mittelschwer ausgeprägt.

 

Die Behandlung war mit einer Erhöhung der Zahl der regulatorischen T-Zellen und einer modifizierten Th2-Immunantwort verknüpft.

Analysen peripherer mononukleärer Blutzellen legen nahe, dass die Behandlung zu einer verminderten Expression des Pellino-E3-Ubiquitin-Ligase Protein 1 (Pelli 1)-Gens führte, das in der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis – und möglicherweise auch bei der MS – ein zentraler Aktivator von Mikroglia ist.