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04.02.2014 – HIV-Medikament gegen PML?

die hæufigkeit der meldungen, die mich in den letzten tagen erreichten, zeigt mir einen zusammenhang der behandlung von HIV und MS…

http://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/HIV-Medikament-gegen-PML_5076

ausrufezeichen 03.02.2014 – Eine 49-jährige Multiple-Sklerose-Patientin hat eine PML sowie eine weitere drohende Komplikation überstanden. Das kanadisch-deutsche Ärzteteam behandelte die Frau mit Maraviroc.

Die Behandlung mit Natalizumab, einer Eskalationstherapie bei Multipler Sklerose, ist sehr effektiv. Nicht wenige Patienten, bei denen Basistherapeutika nicht helfen, erleben nahezu einen Stopp der MS unter dem monoklonalen Antikörper.

Wo viel Wirkung, da viel Nebenwirkung

Doch wo viel Wirkung, da ist meist auch viel Nebenwirkung. Im Falle von Natalizumab ist die PML (Progressive Multifokale Leukoenzephalopathie) gefürchtet. PML kann sich bei JC-Virus-positiven Patienten entwickelt. Das JC-Vius ist weit verbreitet. Selbst wer zu Beginn einer Natalizumab-Behandlung noch JC-negativ ist, kann sich das Virus später noch einhandeln und darus eine PML entwickeln.

Die PML wiederum – hier dringen die JC-Viren wegen der geschwächten Blut-Hirn-Schranke auf das ZNS über – tritt erhöht nach 24 Infusionen, also nach ca. 2 Jahren auf, kann weitere schwere Behinderungen und sogar den Tod des Patienten zur Folge haben. PML kann sich mit ähnlichen neurologischen Symptomen äußern, wie die Multiple Sklerose selbst, was die Diagnose erschwert. Insgesamt ist das Risiko nicht hoch, jedoch wegen seiner schweren Folgen sehr ernst zu nehmen.

Werte der Patientin besserten sich

Ein kanadisch-deutsches Ärzteteam konnte nun die infolge von Natalizumabbehandlung aufgetretene PML einer 49-jährigen Patientin aus Montreal stoppen, wenn nicht heilen. Innerhalb der PML war auch noch eine Komplikation aufgetreten: das IRIS-Syndrom, das nach Absetzen von Natalizumab auftreten kann. Hier reagiert das Immunsystem völlig über, was weitere schwere Folgen hat. Anstatt von Glukokortikoiden, wie bei IRIS üblich, gaben die Ärzte der Patientin ein Medikament aus der HIV-Therapie.

Maraviroc ist ein Antagonist für den CCR5-Rezeptor. Die Werte der Patientin besserten sich zunehmend unter dieser Behandlung. Eine verfrühte Unterbrechung ließ die Werte wieder schlechter werden, weshalb die Ärzte nach einer Woche Pause die Behandlung mit Maraviroc fortsetzten.

Nach 10 Monaten JC-negativ

Nach insgesamt 7 Monaten und langsam verringerter Dosis konnten sie das orale Medikament ganz absetzen. Die Patientin blieb stabil, auch in MRT-Aufnahmen, und nach 10 Monaten JC-negativ. Sie hat geringe kognitive Defizite behalten, ihr EDSS-Wert verschlechterte sich von 2,5 vor PML-Diagnose auf 3,0 am Ende der Behandlung. Die meisten Behinderungen, die infolge der PML und der Komplikation aufgetreten waren, haben sich jedoch zurückgebildet.

Der geschilderte Fall ist ein Einzelfall, doch könnte er Schule machen und die negativen Folgen von Natalizumab eingrenzen. Ob Maraviroc weitere Verwendung in der MS-Therapie haben mag, bleibt hier offen.

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