24.10.2011 – schuppenflechte-arznei hilft auch bei MS

(toby) mal was neues aus http://www.20min.ch/wissen/gesundheit/story/26724005

Eine neue Studie bezeugt, dass ein Psoriasis-Medikament auch vielen Multiple-Sklerose-Patienten helfen könnte. Wir haben zwei an der Studie beteiligte Ärzte zu den Wirkmechanismen der Arznei befragt.

Für die meisten Krankheiten, die ein Mensch im Laufe seines Lebens ereilen kann, hat die moderne Medizin einen passenden Antagonisten parat. Bei der Multiplen Sklerose, einer Autoimmunkrankheit, bei der das Myelin, die Isolationsschicht der Nerven durch punktuelle Entzündungen angegriffen wird, vermögen basistherapeutische Medikamente lediglich den Verlauf des Leidens mehr oder weniger zu verlangsamen. Eine Heilung gibt es nicht.

Jetzt ruhen die Hoffnungen der MS-Patienten auf einem Medikament mit dem Wirkstoff Fumarat beziehungsweise Fumarsäure, das seit mehreren Jahren mit Erfolg zur Behandlung von Schuppenflechte (Psoriasis) eingesetzt wird. In der über zwei Jahre andauernden Phase-III-Studie gelang der Nachweis, dass es unter Gabe des Fumarsäure-Präparats BG-12 zu einer deutlichen Schubreduktion kam. Geleitet wurden die Untersuchungen vom deutschen Neurologen Ralf Gold. Während der diesjährigen ECTRIMS-Konferenz in Amsterdam sorgte der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Bochum am Freitag für Begeisterung bei den anwesenden Fachpersonen. Die Zahlen, die der Professor während seiner Podiumspräsentation verkündete, überzeugten: Die Studienteilnehmer, die das Präparat des Zuger Pharmaunternehmens Biogen Idec während der placebokontrollierten Studie zwei Mal am Tag einnahmen, hatten um 49 Prozent weniger Schübe erlitten. Bei den Probanden, die die Tabletten dreimal täglich eingenommen hatten, reduzierte sich die Schubrate um 50 Prozent gegenüber der Scheinmedikation. Über bildgebende Verfahren (MRT) zeigte sich darüber hinaus innerhalb von zwei Jahren eine signifikante Reduktion bei den für MS typischen Gehirnläsionen (siehe Info-Box).

Sicher und wirksam

Tatsächlich könnte BG-12 für MS-Patienten eine gute Alternative, beziehungsweise Ergänzung zur bisherigen Basistherapie darstellen: «Insbesondere die Kombination aus hoher Wirksamkeit und Sicherheit machen das Medikament zu einer interessanten Behandlungsoption», kommentiert Ralf Gold die Erkenntnisse.

Zwar ist nun bekannt, dass BG-12 einen positiven Einfluss auf den schubförmigen Verlauf hat. Wie das Medikament aber genau wirke, sei noch nicht vollumfänglich geklärt, wie der an der Studie beteiligte Leiter der Neurologischen Klinik des Universitätsspitals Basel, Ludwig Kappos, anmerkt: «Wahrscheinlich besteht in zweierlei Hinsicht eine Interaktion mit dem Entstehungsprozess der Multiplen Sklerose». Das Präparat wirke sich einerseits «positiv auf die Regulation des fehlgeleiteten Immunsystems» aus. Darüber hinaus vermutet man, so Kappos gegenüber 20 Minuten Online, eine «Nervenzellen-schützende Wirkung».

Ohne Nebenwirkungen gehts nicht

An der sogenannten DEFINE-Studie hatten insgesamt 1237 Probanden mit schubförmigem Verlauf im Alter von 18 bis 55 Jahren an 198 Standorten in 28 Ländern teilgenommen. Zwar gilt die Fumarsäure im Vergleich zu anderen Präparaten als gesundheitlich wenig beeinträchtigend, dennoch kam es bei insgesamt fast 96 Prozent der Patienten (inklusive Placebo) zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Diarrhö und Erschöpfung (Fatigue). Zu den häufigsten unerwünschten Effekten gehörten Magenbeschwerden und Flush (Hautrötungen).

Dennoch sollten sich Betroffene noch in vorsichtigem Optimismus üben: Eine Peer-Review, während der die Studie von unabhängigen Experten auf methodische Fehler oder Besonderheiten überprüft wird, steht noch aus. Diese Überprüfung ist eine Grundvoraussetzung für die Publikation in einem renommierten medizinischen Fachjournal.

BG-12: Eine Option für weitere Verlaufsformen?

Nach den Resultaten der DEFINE-Studie werden jetzt die Resultate einer weiteren klinischen Untersuchung sehnlichst erwartet: Im Rahmen der CONFIRM-Studie wird BG-12 laut der Schweizerischen MS-Gesellschaft nicht nur mit einem Placebo, sondern auch mit dem etablierten Basismedikament Glatirameracetat (Handelsname Copaxone) verglichen. Die Ergebnisse der CONFIRM-Studie sollen noch dieses Jahr veröffentlicht werden.

Ob sich BG-12 auch bei anderen Verlaufsformen der MS profilieren könnte, wollte Ralf Gold gegenüber 20 Minuten Online nicht ausschliessen: «Aufgrund der oben genannten Mechanismen ist es auch für progrediente Verlaufsformen sehr vielversprechend. Das muss aber noch getestet werden.»

Veröffentlicht am 24. Oktober 2011 in multiple sklerose und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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